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Besitz & Eigentum – was ist rechtlich der Unterschied?

  • by Anatoli Bauer
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In der Praxis werden die Begriffe Besitz und Eigentum oftmals als Synonyme benutzt. Privat hat das meistens keinerlei Auswirkungen und der Gesprächspartner weiß genau was oder wie es gemeint ist. Spätestens bei der rechtlichen Betrachtung kommt es hier aber sehr wohl auf die Unterscheidung an und jeder Begriff bringt für sich unterschiedliche Rechten und Pflichten mit sich. Das wiederum hat in vielen Geschäftsfeldern Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung.

Begriffserklärung

Besitz

Bei der Beschreibung des Besitzes ist es hilfreich einen Blick ins bürgerliche Gesetzbuch zu wagen. Dort ist unter anderem im Paragraphen 854, Abs. 1 BGB beschrieben:

Der Besitz einer Sache wird durch die Erlangung der tatsächlichen Gewalt über die Sache erworben.

Folglich geht es beim Besitz darum, die faktische Verfügungsmöglichkeit über eine Sache inne zu haben.

Um es anhand eines Beispiels zu verdeutlichen: Person B ist bei Person A zu Besuch. Person B fragt nach etwas zu Trinken und bekommt von Person A ein Glas mit Wasser aus der eigenen Küche in die Hand gedrückt. Person B kann in diesem Moment über dieses Glas verfügen. Sie kann es abstellen, weiter halten oder auch wegschmeißen. Es ist ihr tatsächlich möglich diese unterschiedlichen Handlungen auch durchzuführen.

Eigentum

Das Eigentum findet unter anderem auch Erwähnung im Bürgerlichen Gesetzbuch. Hier heißt es im Paragraphen 903 BGB:

Der Eigentümer einer Sache kann, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter entgegenstehen, mit der Sache nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen.

Beim Eigentum geht es um den rechtlichen Anspruch, über eine bestimmte Sache zu Verfügen.

Passend zum oben erwähnten Beispiel mit dem Glas, ist der Eigentümer des Glases Person A, der es rechtmäßig erworben/gekauft hat und bei dem Person B es als Gast zum Trinken bekommen hat.

Besitz & Eigentum – Der Unterschied

Daraus resultiert, dass die Unterscheidung in der tatsächlichen Sachherrschaft des Besitzers besteht, der also das Glas gerade in diesem Moment in seiner Gewalt hat und damit darüber frei die Sachherrschaft ausüben kann.

Der Eigentümer des Glases hingegen, hat das Recht über das Glas zu Verfügen und hat folglich die rechtliche Sachherrschaft. Das bedeutet er kann jemanden erlauben das Glas zu nutzen, es untersagen oder auch bestimmte Regeln bei der Nutzung aufstellen.

Ein gängiges Beispiel ist auch der Autoverleih. Der Eigentümer eines Fahrzeugs verleiht sein Auto an einen Dritten. Er bleibt damit Eigentümer, aber für die Zeit der Nutzung ist der Dritte der Besitzer, weil er über das Auto die tatsächliche Sachherrschaft hat.

Das zeigt gleichzeitig auch, dass der Eigentümer auch zur gleichen Zeit Besitzer sein kann, nämlich während er sein eigenes Auto auch selbst fährt.

Konsequenzen

Der Eigentümer einer Sache ist zwar nicht immer in der Lage über sein Eigentum die tatsächliche Sachherrschaft auszuüben, besitzt aber den rechtlichen Anspruch über die Nutzung zu bestimmen.

Verbietet der Eigentümer eines Fahrzeugs beim Verleih die Fahrt ins Ausland, so ist das sein gutes Recht. Der Besitzer kann in solch einem Fall tatsächlich dagegen verstoßen, weil der Eigentümer gar nicht in der Lage ist es zu Unterbinden.

Das wiederum kann aber zu Vertragsbruch führen und Kosten oder Schadensersatzleistungen für den Besitzer nach sich ziehen.

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