BWL: Bezugsverhältnis von Aktien leicht erklärt + Beispiel

Wenn eine Aktiengesellschaft neue Aktien an dem Börsenmarkt spült, gilt es das Verhältnis von „alten“ zu den „jungen“ Aktien zu berechnen. Dies ist vor allem für die Altaktionäre von Wichtigkeit, da diese in aller Regel das Bezugsrecht innehalten und somit ein Vorkaufsrecht auf die neuen Aktien besitzen, um beispielsweise ihre Anteile am Unternehmen konstant halten zu können.

Das Bezugsverhältnis berechnet sich dadurch, dass man das alte Grundkapital dem neuen Grundkapital gegenüberstellt.

Ein Beispiel:

Ein Altaktionär kann für 3 Aktien, die er bereits besitzt (Altaktien), 1 neue Aktie beziehen. Dies würde einem Bezugsverhältnis von 3:1 entsprechen.

Die bedingte Kapitalerhöhung

Wenn eine Aktiengesellschaft (AG) oder eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien vornehmen möchte, ist dies bei der bedingten Kapitalerhöhung nur unter der Erfüllung einer im Vorhinein festgelegten Auflage möglich. Kann diese Auflage bzw. Bedingung nicht erfüllt werden, kann keine Erhöhung des Kapitals zulässig erfolgen. Gesetzliche Regelungen hierzu finden sich in den §§ 192 bis 201 des AktG. Die bei der bedingten Kapitalerhöhung ausgegebenen Wertpapiere nennt man das Bedingte Kapital.

Die Voraussetzungen

Die Durchführung einer bedingten Kapitalerhöhung muss von den Aktionären abgesegnet werden, Dies geschieht während der Hauptversammlung, wobei entscheidend ist, dass entweder eine 3/4-Mehrheit erreicht wird oder die in der Satzung festgehaltene Kapitalmehrheit zustimmt, wobei eine entsprechende Änderung der Satzung vorgenommen werden müsste.

Außerdem darf der Nennwert der bedingten Aktien höchstens 50% des Grundkapitals betragen, wobei beispielsweise die Aktien für Belegschaft und Geschäftsführung nur einen Wert von 10% innehalten dürfen. Die Kapitalerhöhung muss in das Handelsregister eingetragen und ebenfalls als Bilanzposten in den Jahresabschluss aufgenommen werden.

Die Gründe für die Durchführung

1. Die AG möchte versprochene Ansprüche erfüllen, wie beispielsweise die Möglichkeit der Wandelung in Aktien, welche sich auch dem Besitz von Wandelschuldverschreibungen oder Optionsanleihen ergibt
2. es sollen mehrere Unternehmen fusionieren, sodass die Kapitalerhöhung als Vorbereitungshandlung dient
3. der Belegschaft der AG sowie dessen Geschäftsführung sollen Bezugsrechte gewährt werden

Ein Beispiel für eine bedingte Kapitalerhöhung bei Wandelanleihen

Von der Mustermann-AG werden nach Mehrheitsbeschluss in der Hauptversammlung Wandelschuldverschreibungen ausgegeben. Sie emittiert insgesamt 20.000 Stück zu einem Kurs von jeweils 200 €. Hierbei findet das Wandlungsverhältnis von 2/1 Anwendung, welches die Zuzahlung des Anlegers im Falle der Wandlung von 10 € pro Aktie zur Folge hätte.

Insgesamt würden der Mustermann-AG demnach (20.000·200€) 4.000.000 € zufließen. Wenn nun alle Wandelobligationäre von ihrem Wandlungsrecht Gebrauch machen würden, so müsste die Mustermann-AG genau (20.000/2) 10.000 Aktien in Umlauf bringen.

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