BWL: Was ist ein kalkulatorischer Unternehmerlohn? – Beispiel

Besonders bei Personengesellschaften und Einzelunternehmen ist der Ansatz des kalkulatorischen Unternehmerlohns notwendig. Bei Kapitalgesellschaften werden Gehaltszahlungen als Personalaufwand verbucht. Die Gehaltszahlungen sind hier also gewinnmindernde Kosten. Bei einem e. K. (eingetragener Kaufmann), OHG (offene Handelsgesellschaft) und KG (Kommanditgesellschaft) werden durch den Gewinn die Geschäftsführerarbeitsleistungen vergütet. Die Arbeit ist damit abgegolten.

Der Unternehmerlohn wird aber kalkulatorisch berücksichtigt, damit die Unternehmerarbeitsleistung in die Produktkalkulation trotzdem eingeht. Der kalkulatorische Unternehmerlohn wird anhand eines üblichen Geschäftsführergehalts angesetzt. Orientierungspunkte sind die Größe des Unternehmens und die jeweilige Branche.

Ein Beispiel soll den kalkulatorischen Unternehmerlohn verdeutlichen:

Herr Braun führt als angestellter Geschäftsführer eine GmbH mit einem jährlichen Bruttogehalt von 100000 €. Er überlegt nun, sich als Unternehmensberater selbstständig zu machen. Als Unternehmensform kommt das Einzelunternehmen in Frage. Um den Beraterstundensatz zu bestimmen, macht sich Herr Braun einen Plan, der die anfallenden Kosten aufstellt.

Es sind hauptsächlich Miete, Versicherungen und Telefon- und Internetkosten. Sein letztes Bruttogehalt von 100000 € berechnet er als kalkulatorischen Unternehmerlohn in den Plan mit ein. Grund hierfür ist, dass durch Aufgabe seines Geschäftsführerpostens dieser Betrag wegfällt, aber diese Summe durch die neue Tätigkeit nun ebenfalls verdient werden muss. Das aufgegebene Gehalt als Geschäftsführer gehört zu den sogenannten Opportunitätskosten.

Wenn Herr Braun nun alternativ eine GmbH gründen würde, könnte er sich selbst als Geschäftsführer mit einem Gehalt von 100000 € anstellen. Er würde dann keinen kalkulatorischen Unternehmerlohn anrechnen. Sein Gehalt ist dann ein normaler Personalaufwand, der nach dem Arbeitsvertrag gebucht wird. Ein kalkulatorischer Ansatz macht dann keinen Sinn, da durch den Dienstvertrag ein tatsächlicher Aufwand vorliegt. Kalkulatorischer Unternehmerlohn wird als Zusatzkosten angesehen.

Diese Kosten werden über die Buchführung hinaus in der Kostenrechnung beachtet. In diesem Beispiel ist der kalkulatorische Unternehmerlohn der größte Bestandteil der Kosten. Das verkaufte Produkt ist eigentlich eine Dienstleistung, also eine Beratungsstunde.

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