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Nominales & reales BIP – was ist der Unterschied?

  • by Anatoli Bauer
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Was ist das BIP?

Das BIP, also das Bruttoinlandsprodukt, gibt grundsätzlich das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft an. Dazu beschreibt es den Wert aller Dienstleistungen und Güter, die innerhalb einer bestimmten Zeit in einem Staat erwirtschaftet werden. Das heißt, dass alle Leistungen und Dinge, die einen bestimmten Preis haben und mit denen gehandelt wird, in die Berechnung des BIP einfließen. Vergleicht man dann das BIP eines Jahres mit dem des nächsten, so kann man daraus die Wachstumsrate der Wirtschaft berechnen – also den Wert, der angibt, wie stark die Wirtschaftsleistung eines Landes gewachsen ist.

Das BIP wird deshalb häufig als „Wohlstandsindikator“ bezeichnet. Man geht also davon aus, dass die Wirtschaftsleistung eines Staates den Wohlstand seiner Bevölkerung wiedergibt.

Nominales BIP

Die Berechnung des BIP erfolgt also durch die Betrachtung des Ver- und Ankaufs sämtlicher Güter und Dienstleistungen, die einen bestimmten Preis haben, innerhalb einer Volkswirtschaft. So kann man, jedenfalls theoretisch, das Wachstum der Wirtschaft innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, zum Beispiel innerhalb von zwanzig Jahren, bestimmen.

So einfach ist das aber nicht. Denn hinzu kommt noch ein weiterer Faktor: die Inflation. Die Inflation beschreibt die Preissteigerungen innerhalb eines Landes. Liegt sie zum Beispiel bei 3%, so steigen die Preise innerhalb dieses Landes um durchschnittlich 3%.

Da sich das BIP aber auf preislich messbare Güter stützt, wird es von den Preissteigerungen maßgeblich beeinflusst. Es gibt nämlich nicht nur eine mengenbezogene Wachstumsrate an, die das tatsächliche Wirtschaftswachstum darstellen würde, sondern eben auch eine preisliche Inflationsrate. Damit das BIP also tatsächlich eine reale Aussage über das Wirtschaftswachstum treffen kann, muss der Wertmaßstab der Preise immerzu konstant bleiben. Nur so kann eine „Verunreinigung“ des BIP durch die Inflation verhindert werden. Da dies aber wegen der stetigen Preissteigerungen nicht gegeben und auch nicht möglich ist, gibt es ein unbereinigtes BIP, das von der Inflation beeinflusst wird – und dieses wird auch als nominales BIP bezeichnet.

Reales BIP

Da das nominale BIP aufgrund der Preissteigerungen somit keine genaue Angabe über die Wirtschaftsleistung und das Wirtschaftswachstum abgeben kann, greift man auf das reale BIP zurück.
Wie der Name schon sagt, soll dieser Wert das tatsächliche – eben das reale – Wirtschaftswachstum angeben. Um an dieses reale BIP zu kommen, muss man sich zunächst vor Augen führen, welche Komponente letztlich dazu führt, dass das nominale BIP verfälscht wird. Und dies ist, wie bereits beschrieben, die Inflationsrate. Sie fließt in die Berechnung des nominalen BIP mit ein, obwohl sie keine Aussage über das wirkliche Wirtschaftswachstum trifft. Möchte man dieses also konkret bestimmen, muss das nominale BIP von dieser Komponente bereinigt werden.
Dabei geht man wie folgt vor:

Zunächst wird ein Preisindex festgelegt, also eine Art Register, der die Preissteigerungen widerspiegelt. So lassen sie sich konkret bestimmen. Ist dies erfolgt, kann die Inflationskomponente, die nun genau berechnet ist, aus der Berechnung des BIP herausgenommen werden. Was bleibt, ist die bloße Wachstumskomponente, die das tatsächliche und preisbereinigte Wachstum einer Volkswirtschaft wiedergibt – eben das reale BIP.

Nominales und reales BIP im Vergleich

Vergleicht man das nominale mit dem realen BIP, lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. Das nominale BIP gibt grundsätzlich immer ein deutlich größeres Wirtschaftswachstum an als das reale BIP. Das lässt sich auch leicht erklären, wenn man mit der Berechnung beider Werte vertraut ist. Denn wenn die Preissteigerungen, wie beim nominalen BIP, in die Berechnung mit einfließen, dann vergrößern die gestiegenen Preise auch das BIP, obwohl sie letztlich wenig über das tatsächliche Wirtschaftswachstum aussagen.

Braucht man also eine Darstellung des tatsächlichen Wirtschaftswachstums, ist es sinnvoll, auf das reale BIP zurückzugreifen und die Inflationsrate getrennt von der Wachstumsrate zu betrachten.

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