Home » BWL » Lexikon » Was ist eine Privatinsolvenz? – Alles zum Verfahren, Ablauf und Kosten

Was ist eine Privatinsolvenz? – Alles zum Verfahren, Ablauf und Kosten

  • by Anatoli Bauer
Was ist eine Privatinsolvenz

Innerhalb Deutschlands sind etwa sieben Millionen Privatleute verschuldet. In vielen Fällen gelingt es dem Schuldner nicht, die Schulden aus eigener Kraft zu stemmen. In solchen Fällen hilft ein Insolvenzverfahren. Doch wie genau läuft ein solches ab und welche Kosten kommen auf einen zu?

Was ist eine Privatinsolvenz?

Eine Privatinsolvenz beinhaltet ein Verfahren, das dazu dient, Schulden schneller zu begleichen. Selbst wenn der Schuldner nicht dazu in der Lage ist, seine vollständigen Schulden zu zahlen, hilft das Verfahren dabei, die Schulden trotzdem vollständig zu löschen. Um ein solches Verfahren zu eröffnen, müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein:




  • Es darf keine selbstständige wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt werden.
  • Als Selbstständiger ist ein Verfahren nur möglich, wenn die Schulden in der Vergangenheit und nicht aus der selbstständigen Tätigkeit entstanden sind und man weniger als 20 Gläubiger hat.

Gesetzlich sind die Voraussetzungen in Paragraf 304, Absatz 2 der Insolvenzverordnung (InsO) geregelt.

Generell hat die Privatinsolvenz noch immer einen relativ negativ behafteten Ruf. Doch ergeben sich mit ihrer Eröffnung durchaus Vorteile. Mit dazu gehört vor allem, dass nach Ablauf des Verfahrens die Chance auf einen Neustart ohne jegliche Schulden gegeben ist.

Wie ist der Ablauf einer Privatinsolvenz?

Die Übernahme der Privatinsolvenz sollte durch einen professionellen Insolvenzverwalter erfolgen. Dieser überprüft nicht nur das vorhandene Einkommen und Vermögen, er hilft dem Schuldner auch dabei, den geregelten Ablauf des Verfahrens einzuhalten.




Tipp: Nachdem ein geeigneter Treuhänder gefunden wurde, übergibt man diese sämtlichen Unterlagen in Bezug auf die Schulden. Diese werden idealerweise in einem Ordner abgeheftet, sodass der Insolvenzverwalter die volle Übersicht erhält.

Der genaue Ablauf einer Privatinsolvenz erfolgt nach dem folgenden Schema:

  • Zunächst wird der Versuch unternommen, eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Hierzu wird ein Schuldenbereinigungsplan erstellt.
  • In seltenen Fällen scheitert es bereits am Versuch. In diesem Fall wird eine Bescheinigung darüber ausgestellt.
  • In der Regel wird jedoch dann der Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht gestellt, um das Schuldenbereinigungsverfahren durchzusetzen.
  • Wird der Bereinigungsplan von den Gläubigern abgelehnt, geht es weiter mit dem eigentlichen Insolvenzverfahren.
  • Während diesem wird vom Insolvenzverwalter ermittelt, welchen Anteil der Schuldner an seine Gläubiger zahlt, um die vorhandenen Schulden zu tilgen. Daneben bleibt ihm ein monatlicher Beitrag, mit dem er haushalten kann.
  • Neben der monatlichen Zahlung der Schulden muss der Schuldner gewisse Regeln befolgen.

Während der sogenannten Wohlverhaltensperiode hat der Schuldner verschiedene Pflichten, denen er nachgehen muss, um sein Wohlwollen in Bezug auf die Schuldbegleichung zu zeigen. Das bedeutet, er muss nicht nur einer geregelten Arbeit nachgehen, sondern jegliche Veränderung in Bezug auf sein Vermögen, sowie seines Arbeitsverhältnisses dem Insolvenzverwalter mitteilen. Ferner muss er jegliches Erbe angeben und eine Hälfte davon in die Insolvenzmasse einfließen lassen.

Nach dem Ablauf dieses Zeitraums kommt es zur Restschuldbefreiung. Das bedeutet, der Schuldner ist von sämtlichen Schulden befreit. In diesem Fall werden auch sämtliche Einträge in der Schufa gelöscht.

Dem Schuldner kann die Restschuldbefreiung jedoch verwehrt werden, wenn er zum Beispiel gegen eine der Auflagen verstoßen hat oder erneut Schulden gemacht hat. Ebenso sieht es aus, wenn er während der vereinbarten Zeit falsche Angaben machte oder etwaige Veränderungen seinem Insolvenzverwalter nicht mitteilte.

Wie lange dauert eine Privatinsolvenz?

Seit dem 1. Januar 2021 gilt, dass eine Privatinsolvenz grundsätzlich nur noch drei Jahre dauert. Vorher war die Dauer der Wohlverhaltensperiode vom Prozentsatz der gezahlten Schulden abhängig. Zum damaligen Zeitpunkt konnte eine Privatinsolvenz bis zu sechs Jahre dauern und es mussten mindestens 35 Prozent der Schulden vom Schuldner gezahlt werden.

Wie hoch sind die Kosten für ein Privatinsolvenzverfahren?

Mit der Anmeldung des Insolvenzverfahrens beim zuständigen Insolvenzgericht entstehen Kosten, die möglicherweise vom Schuldner getragen werden müssen. Ob er sie jedoch tragen muss oder nicht, bestimmt das Gericht.

Für das Verfahren fallen neben den Gerichtskosten die Auslagen sowie die Kosten für den Treuhänder (Insolvenzverwalter) an. Können die Kosten zum Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung nicht vom Schuldner getragen werden, beschließt das Gericht in der Regel eine Stundung. Das bedeutet, dass der Schuldner die Kosten später zu zahlen hat.



Weitere Informationen finden Sie im kostenfreien Ratgeber unter https://www.schuldnerberatungen.org/haushaltsschulden/.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.